Die Senioren-WG – eine Alternative zum Pflegeheim
Ein Pflegebedarf von Senioren schließt die Lust an einem geselligen Sozialleben nicht aus. Während der klassische Pflegeheim dieses oft einschränkt, lässt sich mit einer Senioren-Wohngruppe Kontakt zu anderen Senioren pflegen.
Im Folgenden möchten wir Ihnen Informationen rundum diese spannende Alternative zum Pflegeheim präsentieren, die zu einem selbstbestimmteren Leben des Seniors beiträgt und viele Vorteile bereithält.
Senioren-WG
- Falls Sie eine stationäre Überbrückungspflege benötigen, ist die Kurzzeitpflege ideal hierfür.
- Ab Pflegegrad 2 können acht Kurzzeitpflege-Wochen pro Jahr in Anspruch genommen werden.
- Auch bei der Kurzzeitpflege bezuschusst die Pflegekasse bis ca. 3224 Euro pro Jahr.
Was genau ist mit Senioren-WG gemeint?
Bei der Senioren-Wohngemeinschaft handelt es sich um ein Wohnkonzept für ältere Mitmenschen. Die Gruppen können je nach WG unterschiedlich groß sein und sich gegenseitig im alltäglichen Miteinander unterstützen. Der soziale Austausch der einzelnen WG-Bewohner steht im Vordergrund, eine ergänzende Pflege und Betreuung von außen ist je nach Wohnform denkbar oder üblich.
Ins Leben gerufen werden die Wohngruppen häufig von sozialen Einrichtungen wie Wohlfahrtsverbänden. Abhängig von der Größe des Hauses können zwei, drei oder ein Dutzend Senioren zusammenleben. Ein eigenes Zimmer oder eine kleine Wohnung werden hierbei mit Gemeinschaftsräumen zum Kochen und Wohnen verbunden.
Was ist der Unterschied zum Pflegeheim?
Eine Betreuung oder Pflege ist in einer Senioren-Wohngemeinschaft zwar möglich, steht jedoch nicht im Vordergrund. Die Senioren-WG kann somit auch von selbstbestimmten Senioren ohne Pflegebedarf bewohnt werden. Es geht hauptsächlich darum, das soziale Miteinander im Alltag zu genießen und sich nicht isoliert in eine eigene kleine Wohnung zurückziehen zu müssen.
Auch die Eigenverantwortung in einer Senioren-WG ist groß. In einem Pflegeheim übernimmt das Personal sämtliche Aufgaben des Alltags. Dies ist in der Senioren-WG anders, hier kümmern sich die Bewohner ums Kochen oder die alltägliche Haushaltsführung. Die Wohnform funktioniert somit wie in der eigenen Wohnung, nur dass zusätzlich tolle Angebote für Geselligkeit, Austausch und Unternehmungen gegeben sind. Eine gegenseitige Hilfe unabhängig von einer professionellen Pflege ist gewünscht.
Mit welchen Kosten muss ich rechnen?
Das eigene Zimmer oder Apartment in der Senioren-WG wird vom Bewohner angemietet oder gekauft. Dies ist mit einer klassischen Mietwohnung oder Eigentumswohnung vergleichbar. Beliebt ist der Einzug in eine Wohngruppe bei Senioren, die sich im Laufe des Lebens etwas Kapital angespart haben und dieses im Lebensabend ohne Angst vor lebenslagen Mietzahlungen investieren möchten.
Manche Seniorenwohnungen in einer Gruppe lassen sich ganz normal über Anzeigen in Zeitungen oder dem Internet finden. Hier sollte genau geprüft werden, ob die eigene Rentenhöhe für den Einzug in die entsprechende WG-Wohnung ausreicht. Auch die Größe der Wohnfläche und weitere persönliche Vorstellungen sollten neben den Miet- oder Kaufkosten einfließen.
Gibt es eine Wohnförderung für Senioren-WGs?
Der deutsche Gesetzgeber fördert diese Art des Wohnens, damit Wohnraum für Menschen in einem höheren Lebensalter bezahlbar bleibt. Als Bewohner in einer Senioren-Wohngemeinschaft können Sie deshalb einen Wohngruppenzuschlag von 214 Euro monatlich beantragen. Damit dieser ausgezahlt wird, müssen mindestens drei Personen zur Senioren-Wohngruppe gehören, die einen Pflegegrad aufweisen.
Ist Pflegepersonal jederzeit verfügbar?
Mit steigendem Alter sind immer mehr Senioren auf professionelle Pflegedienstleistungen angewiesen. Hat die Einstufung in einen Pflegegrad stattgefunden, ist eine Abrechnung als Sachleistungen über einen ambulanten Pflegedienst möglich. Für diesen macht es allerdings keinen Unterschied, ob die erbrachten Leistungen in einer gewöhnlichen Seniorenwohnung erbracht werden, oder ob die Pflege in einer Senioren-Wohngemeinschaft stattfindet.
Sind die oben genannten Voraussetzungen für einen Wohngruppenzuschlag gegeben, kann die Senioren-Wohngruppe eine Präsenzkraft beauftragen. Dieser fungiert dauerhaft als Ansprechpartner, um die Versorgung der Senioren im Rahmen einer grundlegenden Betreuung zu gewährleisten. Allerdings übernehmen die Präsenzkrafte nicht die alltägliche, pflegerische Versorgung, für die weiterhin ein ambulanter Pflegedienst zu beauftragen ist. Die Kosten für das Betreuungspersonal werden zusammen von den WG-Bewohnern getragen.
Kann ich selbst eine Senioren-WG gründen?
Senioren und ihre Angehörigen können jederzeit selbst ein Senioren-Wohnprojekt ins Leben rufen. Zu den wichtigsten Voraussetzungen gehören hierbei:
- Das Gebäude sollte groß genug sein und über eine angemessene Anzahl an Zimmern verfügen.
- Der Senior oder seine Familie sollten Eigentümer der Immobilie sein.
- Einrichtung und Ausstattung des Hauses sollten den Bedürfnissen älterer Menschen genügen.
- Es sollte ein rechtliches Rahmenwerk für die Anmietung oder den Kauf von WG-Wohnungen geschaffen werden.
Um den Wohnbereich altersentsprechend herzurichten, können die Gründer eine Anschubfinanzierung in Anspruch nehmen. Hierbei ist entscheidend, dass eine Pflege-WG geschaffen wird und ein tatsächlicher Pflegebedarf der neuen Bewohner gegeben ist. Die Anschubfinanzierung beläuft sich auf wenigstens 2.500 Euro und erreicht maximal einen Betrag von 10.000 Euro.
Wer als Privatperson einen Senioren-Wohngemeinschaft gründet, sollte sich auf viele Formalitäten einstellen. Dies beginnt bei der Wahl einer sinnvollen Rechtsform, unter der die WG-Bewohner zukünftig miteinander leben sollen. Eine beliebte Organisationsform ist ein Verein. Es ist ratsam, sich in der Gründungsphase fachkundig von einem rechtlichen Experten beraten zu lassen.
Gibt es sinnvolle Alternativen zur Senioren-WG?
Damit das Zusammenleben in einer Wohngruppe funktioniert, sollte jeder einzelne Bewohner über einen hohen Grad an Selbstständigkeit verfügen. Die Aufgaben des Alltags sollten ohne fremde Hilfe gemeistert werden können. Dies sollte auch für gemeinschaftliche Aktivitäten mit anderen Bewohnern der WG gelten.
Falls eine solche aktive Teilnahme am Gemeinschaftsleben nicht mehr möglich ist, kann der Umzug in ein Alten- oder Pflegeheim notwendig werden. In diesem werden Betroffenen alle alltäglichen Aufgaben durch das professionelle Pflegepersonal abgenommen. Dies ist auch zu empfehlen, wenn andere Bewohner der Senioren-Wohngemeinschaft guten Willen zur Übernahme alltäglicher Aufgaben zeigen. Die eigenen Einschränkungen sollten jedoch nie den Gemeinschaftssinn belasten.
Liegt lediglich eine geringe Pflegebedürftigkeit vor, ist der Umzug in eine eigene, kleinere Wohnung denkbar. Diese Alternative bevorzugen Senioren, die nach dem Einzug in eine Senioren-WG merken, dass diese Wohnform nicht die persönlich beste Wahl darstellt. Natürlich muss geprüft werden, ob sich eine eigene Wohnung von der vorhandenen Rente ohne Wohngruppenzuschuss sicher finanzieren lässt.
Übrigens: Selbst wenn es Angehörige gut meinen, muss die Wohngemeinschaft mit ihrem geselligen Ansatz nicht jeden Senior begeistern. Manche kommen gut in ihrer eigenen kleinen Wohnung zurecht und möchten nicht am geselligen WG-Leben teilnehmen. Dies sollte von Angehörigen akzeptiert werden, wenn aus finanziellen Gründen nichts gegen einen Verbleib in der eigenen Wohnung spricht. Trotz aller Vorlieben des Seniors sollten die Isolation in einer eigenen Wohnung und die Folgen deiner schleichenden Vereinsamung ernst genommen werden.
Die häufigsten Fragen
Das Wohnkonzept ist für ältere Mitmenschen gedacht, die ein aktives und geselliges Leben mit anderen Senioren wünschen. Zudem sollte der Pflegebedarf so gering ausfallen, dass jeder Bewohner noch selbst alle alltäglichen Aufgaben bewältigen kann.
Präsenzkräfte sind nicht mit der persönlichen Pflege einzelner Bewohner betraut, sondern fungieren als Ansprechpartner für alltägliche Belange. Wird eine häusliche Pflege benötigt, ist hiermit ein ambulanter Pflegedienst zu beauftragen. Dies stellt somit keinen Unterschied zum Leben in einer eigenen Wohnung dar.
Mit einer fortschreitenden Demenz ist das Leben in einer Senioren-Wohngruppe nicht mehr möglich. Allerdings gibt es je nach sozialem Träger spezielle Demenz-WGs als betreute Wohnangebote. In einer Demenz-WG kümmert sich geschultes Pflegepersonal 24 Stunden pro Tag um die Bewohner. Unter diesen Umständen muss natürlich mit entsprechend höheren Kosten für die Unterbringung in der speziellen Gemeinschaft gerechnet werden.
Die Bürgerbüros von Städten und Gemeinden sind ein guter Ansprechpartner, genauso wie die regional tätigen Wohlfahrtsverbände. Es lohnt außerdem, auf aktuelle Projekte von Wohnbaugesellschaften zu schauen, die sich gelegentlich auf die Bedürfnisse von Senioren spezialisieren. Auch Online-Portale helfen weiter, wobei die Nachfrage nach Wohnungen in Senioren-Wohngemeinschaften groß ist. Die Bereitschaft, in eine andere Wohnregion umzuziehen, sollte deshalb gegeben sein.